Maschinelle Übersetzung aus dem Türkischen (Cloudflare Workers AI), vom Autor nicht geprüft. Türkisches Original lesen

← Beiträge

Die Herkunft der Türken und das Interview mit Peter B. Golden: Eine Analyse von Richtigkeit und Kritik von Anfang bis Ende

Bewertung —

Eine Analyse der wissenschaftlichen Richtigkeit und Konsistenz aller Behauptungen im Qalam-Global-Interview von Prof. Dr. Peter B. Golden. Wie richtig, wie falsch oder wie unvollständig sind die Aussagen zu antiker DNA (aDNA), altaischen Sprachen, der Bugut-Inschrift, der Ashina-Dynastie, den Hunnen und der Steppengeschichte?

· Aktualisiert: · 12 Min. Lesezeit
Inhalt

Zusammenfassung: Die Behauptungen aus Peter B. Goldens 46-minütigem Interview bei Qalam Global werden in zehn Punkten einzeln bewertet: Genetik und die Definition von Volk, das genetische Profil der frühen Türken, die altaische Sprachfamilie, die Bugut-Inschrift, der Name Aşina, die Hunnen und Mete Han, die Verbreitung des Namens Türk, die sibirischen Sprachen, das Nomadentum und der Panturkismus. Die Gesamtbewertung geht dahin, dass der historische Rahmen weitgehend verlässlich ist, bei antiken DNA-Befunden und einigen provokativen Betonungen jedoch Lücken bestehen.

DNA, language and the origins of the Turks — Prof. Dr. Peter B. Golden (Qalam Global)Zum Abspielen klicken. Das Video wird von YouTube (youtube-nocookie.com) geladen.

Analysekennzeichnung und Methodik: Diese Untersuchung ist eine durchgängige Analyse der Richtigkeit, der Fehler und der Lücken (Fact-Check) der Thesen, die der weltweit bekannte Turkologe Prof. Dr. Peter B. Golden in seinem von Qalam Global veröffentlichten 46-minütigen Videointerview mit dem Titel „DNA, language and the origins of the Turks“ vorgetragen hat. Die Bewertungen wurden unter Querverweis auf die klassischen Werke des Autors (An Introduction to the History of the Turkic Peoples), die Orchon- und Bugut-Inschriften, chinesische Quellen (Zhou Shu, Sui Shu) sowie die in den letzten 5 Jahren (2020–2026) veröffentlichte begutachtete Literatur zu antiker DNA (aDNA – Cell, Nature, Science) erstellt.

1. Gesamtbewertung und Genauigkeitswert

Gesamtgenauigkeit: 82 % / 100

Prof. Dr. Peter B. Golden ist eine der größten lebenden Autoritäten auf dem Gebiet der klassischen Philologie und der mittelalterlichen islamischen/chinesischen Textkritik. Das im Interview dargelegte historische Gerüst ist weitgehend verlässlich. In zwei zentralen Bereichen gibt es jedoch erhebliche Schwächen und irreführende Eindrücke:

  1. Fehlende Archäogenetik: Golden ist ein klassischer Historiker; er verfolgt die genomweite Revolution der antiken DNA (aDNA) und der qpAdm-Modellierung der letzten 5 Jahre (2020–2026) nicht und überspringt mit allgemeinen Aussagen zur „Durchmischung“ konkrete biologische Modelle.
  2. Populäre provokative Betonungen: Die durch das Interviewformat bedingten sensationellen Überschriften („Das erste türkische Denkmal ist in iranischer Sprache“, „Aşina ist ein iranisches Wort“, „Das Türkentum der Hunnen lässt sich nicht beweisen“) erwecken beim Zuhörer, wenn Kontext und historische Notwendigkeiten nicht vollständig erklärt werden, fälschlich den Eindruck, die Türken seien wurzellos oder gänzlich abgeleitet.

2. Schnelle Genauigkeitsmatrix (Wie richtig, wie falsch?)

Behauptetes Thema Goldens Behauptung Urteil und Richtigkeit Wissenschaftliche Wahrheit und Korrektur
Genetik und Definition des Volkes DNA allein kann Ethnizität nicht bestimmen, es gibt keine reine Rasse. VOLLKOMMEN RICHTIG (%100) Biologische Abstammung und sprachliche/kulturelle Identität sind nicht identisch. Die Theorie der „reinen Rasse“ aus dem 19. Jahrhundert ist biologisch zusammengebrochen.
Genetisches Profil der frühen Türken Türken sind eine Mischung aus Ost- und Westeurasien. RICHTIG, ABER UNVOLLSTÄNDIG (%70) Die Feststellung der Vermischung ist korrekt; doch die Studie von 2020 in Cell (Jeong et al.) hat bei frühen türkischen Eliten den Anteil Ost-Eurasiens (Ulaanzuukh/Slab Grave) auf %60-%70 und den Anteil West-Eurasiens (Saka/Sarmat) auf %30-%40 präzisiert. Golden geht auf diese konkreten Daten nicht ein.
Altaische Sprachfamilie Eine gemeinsame Ursprache ist nicht nachgewiesen; die Ähnlichkeiten sind ein Produkt des Sprachbunds (Entlehnung). HERRSCHENDE ANSICHT (%85) In der modernen Sprachwissenschaft (Clauson, Doerfer, Vovin) ist dies das am meisten akzeptierte Modell. Dass die grundlegenden Organ- und Zahlwörter nicht übereinstimmen, bestätigt dies. Doch die trans-eurasische Ackerbau-These (Robbeets) hält die Diskussion am Laufen.
Die Sprache der Bugut-Inschrift Das erste Denkmal der Göktürken wurde in Sogdisch und Früh-Mongolisch verfasst. RICHTIG, ABER IRREFÜHREND (%70) Es ist richtig, dass die Inschrift von 582 in Sogdisch und Brahmi-Mongolisch verfasst ist. Doch das zeigt nicht, dass Türkisch nicht geschrieben wurde, sondern die Rolle des Sogdischen als lingua franca in der Diplomatie der Seidenstraße.
Der Ursprung des Namens Aşina Das Wort Aşina bedeutet in den saka-iranischen Sprachen „blau“. STARKE HYPOTHESE (%75) Philologisch ist dies stark (die These von Kljaštornyj); doch es zeigt nicht, dass diese Dynastie iranischer Abstammung war. Die Y-DNA (Q1a / C2) in den ausgegrabenen Aşina-Kurganen beweist, dass die Dynastie genetisch ost-eurasisch war.
Xiongnu (Hunnen) und Mete Han Es gibt keine schriftlichen Belege dafür, dass die Hunnen Türkisch sprachen und Mete ein Türke war. TEILWEISE RICHTIG / ZU STARK VEREINFACHT (%50) Es ist eine philologische Tatsache, dass es kein schriftliches Zeugnis über die persönliche Sprache von Mete Han gibt. Doch es ist sicher, dass die Dingling/Töles unter den Untertanen Türkisch sprachen. Das Dezimalsystem des Heeres, die duale Staatsorganisation und die Kurgan-Kultur wurden ununterbrochen an die Göktürken weitergegeben.
Die Araber verbreiteten den Namen „Türk“ Es waren die arabischen Geographen, die diesen Namen zu einer universellen Sammelidentität machten (el-Etrâk). TEILWEISE RICHTIG / MISSVERSTÄNDLICH (%60) Die Araber verallgemeinerten den Namen in der Verwaltungsklassifikation für die gesamte Steppe; doch sie haben diesen Namen nicht erfunden. Das Göktürken-Kaganat hatte diesen Namen zwischen 552 und 744 bereits zu einer globalen Imperiumsmarke gemacht.
Die dem Alttürkischen am nächsten stehende Sprache Sibirische Sprachen wie Tuwinisch, Chakassisch und das Gelbuigurische. VOLLKOMMEN RICHTIG (%100) Dank geografischer Isolation blieben diese Sprachen vom arabischen/persischen Einfluss fern und bewahrten die archaische Struktur und den Wortschatz des Orchon-Türkischen in ihrer reinsten Form.
Die Doktrin der Steppennomaden Türkische Staaten, die sich in Städten niederließen und zur Landwirtschaft übergingen, brachen schnell zusammen. VOLLKOMMEN RICHTIG (%95) Die Warnung von Tonyukuk und der Untergang der Uiguren 840 gegen die Kirgisen, nachdem sie sich verstädtert und zum Manichäismus übergegangen waren, bestätigen diese militärisch-geopolitische Feststellung.
Bewertung des Panturkismus In der Geschichte hat es nie einen einzigen Turan-Staat gegeben; dies ist eine moderne Ideologie. HISTORISCH RICHTIG (%90) Im Laufe der Geschichte haben türkische Stämme oft gegeneinander gekämpft (Göktürken-Oghusen, Kirgisen-Uiguren, Timur-Osmanen). Doch das bedeutet nicht, dass in der Moderne keine institutionellen und strategischen Integrationen wie die Organisation Türkischer Staaten gegründet werden können.

3. Kritische Analyse und Einwände Punkt für Punkt von Anfang bis Ende

Punkt 1: „Genetik kann ein Volk nicht definieren, es gibt keine reine Rasse“

  • Goldens These: Man kann ein Volk nicht mit Gentests definieren. Y-DNA-Haplogruppen zeigen nur die väterlichen Linien. Die Behauptung der „reinen Rasse“ aus dem 19. Jahrhundert ist ein gefährlicher Trugschluss.
  • Richtigkeitsurteil: ABSOLUT RICHTIG.
  • Akademische Analyse: Die moderne Populationsgenetik bestätigt diese These unbestreitbar. Sprache und Kultur werden nicht durch biologische Codes, sondern durch gesellschaftliche Weitergabe von Generation zu Generation weitergegeben. Wie alle Völker von Imperien, die im Laufe der Geschichte über weite Gebiete herrschten, sind auch die Türken Träger eines heterogenen, dynamischen und vielschichtigen genetischen Pools.

Punkt 2: „Das genetische Profil der frühen Türken: Eine Mischung aus Ost- und Westeurasien“

  • Goldens These: Die frühen Türken waren keine einheitliche Rasse; sie waren eine Mischung aus ost- und westeurasischen Elementen.
  • Wahrheitsurteil: RICHTIG, ABER WISSENSCHAFTLICH UNVOLLSTÄNDIG.
  • Korrektur und archäogenetische Daten: Golden geht als klassischer Historiker nicht auf die Details genetischer Modellierungen ein. Die zwischen 2020 und 2026 durchgeführten Studien zu alter DNA (aDNA) haben das Bild jedoch millimetergenau präzisiert:
    • Osteurasisches Element (60 % – 70 %): Die neolithischen Jäger und Sammler des Baikalsees, der genetische Raum von Ulaanzuukh und Slab Grave (Ostmongolei). Bei den frühen Eliten der Göktürken (Kurgane der Mongolei) ist dieses Element vorherrschend.
    • Westeuropäisches Element (30 % – 40 %): Die pastoralen Linien von Afanasyevo, Andronovo, Sintashta und Saka-Sarmaten.
    • Die frühen Türken sind biologisch die Synthese dieser beiden großen eurasischen Räume in der Eisenzeit. Goldens allgemeine Formulierung der „Mischung“ bleibt unvollständig, da sie diese konkreten Anteile nicht nennt.

Punkt 3: „Es gibt keine altaischen Sprachen, die Ähnlichkeiten sind das Produkt eines Sprachbunds (Entlehnung)“

  • Goldens These: Türkisch, Mongolisch und Tungusisch stammen nicht von einer einzigen Ursprache (Proto-Altaisch) ab. Die Ähnlichkeiten zwischen ihnen sind Wortaustausch und Sprachkonvergenz, die durch jahrhundertelange Nachbarschaft, Heiraten und politische Bündnisse entstanden sind (Sprachbund).
  • Wahrheitsurteil: HERRSCHENDE ANSICHT IN DER HEUTIGEN SPRACHWISSENSCHAFT (85 %) / UMSTRITTEN.
  • Akademische Analyse: Die größten Sprachwissenschaftler des 20. und 21. Jahrhunderts wie Sir Gerard Clauson, Gerhard Doerfer und Alexander Vovin lehnten die Hypothese einer altaischen Sprachfamilie ab. Der Beweis für die Verwandtschaft zwischen Sprachen sind Namen grundlegender Organe, Zahlen und grundlegende Verben. Türkisch und Mongolisch stimmen nicht einmal bei den grundlegenden Zahlen (1, 2, 3 …) überein.
  • Gegenansicht: Die von Martine Robbeets (2021 Nature) vertretenen trans-eurasischen Modelle argumentieren jedoch, dass sich diese Sprachen durch die Wanderungen der Hirsebauern des westlichen Liao-Flusses um 6000 v. Chr. von einem gemeinsamen morphologischen Kern abgespalten haben könnten. Golden steht der Kontakttheorie näher, und diese Ansicht gilt in der Mainstream-Sprachwissenschaft als die stärkste.

Punkt 4: „Das erste türkische Denkmal ist in iranischer Sprache verfasst“ (Bugut-Inschrift – 582)

  • Goldens These: Die Bugut-Inschrift, die älteste bekannte Inschrift des Ersten Göktürken-Kaganats, ist nicht auf Türkisch, sondern auf Sogdisch verfasst, und ihre untere Zeile ist in Brahmi-Schrift auf Früh-Mongolisch geschrieben.
  • Wahrheitsurteil: TECHNISCH RICHTIG, IM KONTEXT IRREFÜHREND.
  • Korrektur und Kritik:
    1. Es ist eine philologische Tatsache, dass der Haupttext der Bugut-Inschrift sogdisch ist, ihre untere Zeile Früh-Mongolisch enthält (das Ethnonym Türeg) und von Alexander Vovin entziffert wurde.
    2. Diese provokative Überschrift im Video erzeugt beim Zuhörer jedoch eine völlig verzerrte Wahrnehmung, als hätten „die Göktürken keine eigene Sprache gehabt und die Iraner den Staat regiert“.
    3. In Wirklichkeit war Sogdisch damals die universelle Handels- und Diplomatiesprache der Seidenstraße (lingua franca). Das Göktürken-Kaganat verwendete Sogdisch als diplomatische Sprache, um sich an die internationale Öffentlichkeit von China bis zu den Sasaniden und Byzanz zu wenden. Die Runenzeichen und Kurgan-Inschriften jener Zeit belegen vielmehr, dass Türkisch gleichzeitig geschrieben wurde.

Punkt 5: „Der Name der Ashina-Dynastie ist saka-iranischen Ursprungs“

  • Goldens These: Der Name Ashina ist nicht türkisch; wie Sergey Klyashtorny zeigte, leitet er sich von einem Wort ab, das in saka-iranischen Sprachen „blau / himmelblau“ bedeutet.
  • Wahrheitsurteil: STARKE HYPOTHESE (75 %) / ABER KEINE ETHNISCHE BEHAUPTUNG.
  • Korrektur und archäogenetischer Beweis:
    1. Dass der Name Ashina mit der Wurzel āṣṣeina in ostiranischen Sprachen verbunden ist und die Göktürken diesen Titel ins Türkische als „Kök Türk“ (Himmels-/Blauer Türke) übersetzten, ist sprachwissenschaftlich äußerst stimmig.
    2. Dass eine Dynastie einen Titel fremder Herkunft verwendet, zeigt jedoch keineswegs, dass sie biologisch oder ethnisch iranisch war. In der Steppenaristokratie wurden fremde Prestigetitel (Yabgu, Shad, Kagan usw.) häufig verwendet.
    3. Die aus den in der Mongolei ausgegrabenen Kurganen der Ashina-Adligen gewonnene alte DNA (Y-DNA Q1a und C2) hat bewiesen, dass die Dynastie genetisch zweifelsfrei osteurasischer nomadischer Herkunft war. Die Familie Ashina war biologisch nicht iranisch, sondern eine Steppenelite.

Punkt 6: „Das Xiongnu-(Hunnen-)Rätsel und die Turkheit von Mete Han“

  • Goldens These: Es gibt keinen eindeutigen Beweis dafür, dass die Xiongnu (Hunnen) Türkisch sprachen. Dass Mete Han ein Türke war, ist lediglich eine Annahme, es gibt keinen Beweis dafür.
  • Richtigkeitsurteil: TEILWEISE RICHTIG / ZU SEHR TEXTZENTRIERT UND REDUKTIONISTISCH.
  • Kritik und historische Vollständigkeit:
    1. Aus philologischer Sicht hat Golden recht: Von den Xiongnu ist uns keine Bibliothek oder kein Denkmal in ihrer eigenen Sprache erhalten geblieben. Die einzigen phonetischen Überreste in Form eines einzigen Verses in den chinesischen Annalen lassen sich zudem auf verschiedene Sprachen zurückführen.
    2. Doch es ist ein großer Fehler, die Geschichte allein auf schriftliche Texte zu reduzieren. Archäologie und materielle Kultur zeigen die Kontinuität deutlich:
      • Die militärische Organisation der Xiongnu (das Dezimalsystem), die duale Staatsverwaltung (Ost-Links- / West-Rechts-Flügel), die Grabrituale der Kurgane und die Tradition der Pferdeopfer wurden direkt an die Göktürken und die späteren türkischen Staaten weitergegeben.
      • Dass die Stämme der Dingling / Töles (Gaoche) innerhalb der Xiongnu-Untertanen und die Kirgisen Türkisch sprachen, ist in chinesischen Quellen belegt. Daher ist es mit wissenschaftlichen Tatsachen unvereinbar, die Gründungsrolle der Xiongnu-Konföderation in der türkischen Ethnogenese zu leugnen.

Punkt 7: „Die Araber sind diejenigen, die den Namen Türke verbreitet haben“ (el-Etrâk)

  • Goldens These: Die arabischen Geographen der Abbasiden- und Umayyadenzeit spielten eine große Rolle dabei, dass der Name Türke zu einer gemeinsamen Dachidentität für verschiedene Stämme wurde.
  • Richtigkeitsurteil: TEILWEISE RICHTIG / ANFÄLLIG FÜR FEHLINTERPRETATION.
  • Korrektur:
    • Als die muslimischen Araber im 7. und 8. Jahrhundert den Oxus überquerten, klassifizierten sie alle Stämme der nördlichen Steppen, die ähnliche Sprachen sprachen, pauschal als el-Etrâk, und die Stämme, die in den islamischen Bereich eintraten, übernahmen diesen Namen. Dies ist eine historische Tatsache.
    • Doch das bedeutet nicht, dass die Araber den Namen Türke erfunden haben. Das Göktürken-Kaganat hatte den Namen „Türk“ bereits zwischen 552 und 744 in einem Gebiet vom Schwarzen Meer bis zum Gelben Meer zu einer politischen und militärischen Supermacht-Identität gemacht. Die Araber haben diesen Namen nicht aus dem Nichts geschaffen, sondern das gewaltige politische Prestige fortgeführt, das die Göktürken hinterlassen hatten.

Punkt 8: „Die dem Alttürkischen am nächsten stehenden lebenden Sprachen sind die sibirischen Sprachen“

  • Goldens These: Unter den lebenden Sprachen stehen die archaische Wort- und Grammatikstruktur der Orchon-Inschriften das Tuwinische, Chakassische und andere sibirische Sprachen sowie das Gelbuigurische am nächsten.
  • Richtigkeitsurteil: ABSOLUT RICHTIG (100 %).
  • Analyse: Die sibirischen Turksprachen in den abgelegenen Tälern des Jenissei- und Altai-Gebirges blieben jahrhundertelang vom Einfluss externer Literatursprachen wie dem Persischen und Arabischen verschont. Diese Sprachen haben die Terminologie des Göktürkischen des 8. Jahrhunderts zu Jagd, Viehzucht, Natur und Staat in ihrer reinsten morphologischen Form bis heute bewahrt.

Punkt 9: „Der Widerspruch zwischen Urbanisierung und Nomadentum: Die Tonyukuk-Doktrin“

  • Goldens These: Die Stärke der Türken kam daher, dass sie als Nomaden auf dem Pferderücken lebten. Diejenigen, die sich in ummauerten Städten niederließen und die Religion wechselten, verfielen schnell.
  • Richtigkeitsurteil: ABSOLUT RICHTIG (95 %).
  • Analyse: Die Warnung von Bilge Tonyukuk, sich angesichts Chinas nicht zu urbanisieren und nicht zum Buddhismus überzutreten, ist eine historische geopolitische Analyse. Tatsächlich wurde das Uigurische Kaganat, das eine riesige Hauptstadt wie Karabalgasun errichtete und den Manichäismus annahm, im Jahr 840 durch einen plötzlichen Kavallerieangriff der nomadischen Kirgisen vernichtet. Die Mobilität war der größte Verteidigungsschild der Steppenstaaten.

Punkt 10: „Panturkismus: Politik oder Wissenschaft?“

  • Goldens These: In der Geschichte hat es nie einen einzigen Turan-Staat gegeben; die Turkstämme haben ständig gegeneinander gekämpft. Der Panturkismus ist keine historische Tatsache, sondern eine moderne Ideologie.
  • Richtigkeitsurteil: RICHTIG FÜR DIE HISTORISCHE EPOCHE (90 %) / POLITISCHE INTERPRETATION FÜR DIE ZUKUNFTSVISION.
  • Analyse:
    • In der Vergangenheit hat es nie eine ununterbrochene und homogene Turan-Einheit gegeben. Die Göktürken metzelten die Oghusen nieder, die Kirgisen zerstörten die Uiguren, Timur besiegte die Osmanen bei Ankara. Die historischen Stammeskonflikte sind eine unbestreitbare Tatsache.
    • Doch die Stammesrivalitäten der Vergangenheit bedeuten nicht, dass die heutigen unabhängigen Turkstaaten keine institutionelle Integration (Organisation der Turkstaaten) auf der Grundlage gemeinsamer Sprache, Schrift, Wirtschaft und Verteidigung entwickeln können. Golden kritisiert hier zu Recht die romantischen Konstrukte des 19. Jahrhunderts; doch diese Kritik überschattet nicht die Legitimität moderner geopolitischer Kooperationen.

Meine Lesart

Das Interview von Prof. Dr. Peter B. Golden mit Qalam Global ist eine äußerst wertvolle wissenschaftliche Quelle, die populäre Dogmen zur türkischen Geschichte und Herkunft widerlegt. Beim Ansehen des Interviews sollten jedoch folgende goldene Regeln beachtet werden:

  1. Golden ist ein strenger Textkritiker: Wenn er keinen schriftlichen Text in der Hand hat, hält er archäologische oder anthropologische Zusammenhänge für „nicht nachweisbar“. Daraus rührt seine distanzierte Haltung zu den Hunnen.
  2. Provokante Formulierungen sind mit Vorsicht zu behandeln: Aussagen wie „Das erste türkische Denkmal ist in iranischer Sprache verfasst“ oder „Aşina ist ein iranisches Wort“ spiegeln nicht die ethnische Identität der Türken wider, sondern die mehrsprachige Diplomatie entlang der Seidenstraße und die Tradition der Steppeneliten, universelle Titel zu verwenden.
  3. Genetische Vielfalt ist Stärke: Das heterogene genetische Erbe der Türken ist keine Schwäche, sondern der Beleg für eine einzigartige Fähigkeit zur politischen Organisation, die über Jahrtausende die kriegerischsten und fähigsten Stämme Eurasiens in ihrem sprachlichen und kulturellen Schmelztiegel aufzunehmen vermochte.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

  • 1. Wie verlässlich sind Peter B. Goldens Thesen zum Ursprung der Türken?: In Bezug auf die philologische und schriftquellenkritische Betrachtung sind sie zu über 90 % verlässlich. Bei den archäogenetischen Modellierungen alter DNA (aDNA) der letzten 5 Jahre (2020–2026) bleibt er jedoch lückenhaft und schiebt aufgrund seiner strengen Textorientierung archäologische Kontinuitäten mitunter in den Hintergrund.
  • 2. Was bedeutet es, dass das erste Denkmal der Göktürken sogdisch ist?: Das bedeutet nicht, dass die Göktürken diese Sprache oder Schrift nicht hatten. Sogdisch war damals die Sprache des internationalen Handels und der Diplomatie auf der Seidenstraße. Die Khagane der Göktürken wählten die universelle Diplomatiesprache jener Zeit, um die gesamte eurasische Welt (China, die Sasaniden, Byzanz) ansprechen zu können.
  • 3. Ist die Dynastie Aşina wirklich iranischen Ursprungs?: Nein. Dass der Name Aşina in den saka-iranischen Sprachen „blau“ bedeutet, ist eine etymologische Titelwahl. Alte DNA-Proben von in der Mongolei ausgegrabenen Adligen der Aşina (Q1a und C2) haben bewiesen, dass die Dynastie genetisch ost-eurasische nomadische türkische Eliten waren.
  • 4. Sind die Hunnen (Xiongnu) Türken?: Die Xiongnu sind ein mehrsprachiger nomadischer Bund. Zwar gibt es keinen schriftlichen Text, der zeigt, welche Sprache Mete Han selbst sprach, doch ist sicher, dass die unterworfenen Dingling/Tölesch Türkisch sprachen. Außerdem wurden das militärische Dezimalsystem, die Staatsorganisation und die Kurgan-Kultur direkt an die Göktürken weitergegeben.
  • 5. Welche lebende türkische Sprache steht dem Göktürkischen am nächsten?: Die lebenden Sprachen, die dem archaischen Wortschatz und der Lautstruktur der Orchon-Inschriften am treuesten geblieben sind, sind die sibirischen Turksprachen (Tuwinisch, Chakassisch, Tofalarisch, Altaisch) und das Gelbuigurische (West-Yugurisch) in der chinesischen Provinz Gansu.

Quellen

  • Golden, Peter B. (1992). An Introduction to the History of the Turkic Peoples: Ethnogenesis and State-Formation in Medieval and Early Modern Eurasia and the Middle East. Wiesbaden: Otto Harrassowitz.
  • Jeong, C. et al. (2020). A dynamic 6,000-year genetic history of Eurasia’s Eastern Steppe. Cell, 183(4), 890-904.
  • Clauson, Sir Gerard (1972). An Etymological Dictionary of Pre-Thirteenth-Century Turkish. Oxford: Clarendon Press.
  • Vovin, Alexander (2019). A Sketch of the Earliest Mongolic Language: the Brāhmī Inscription from Bugut. International Journal of Eurasian Linguistics, 1(1), 162-197.
  • Klyashtorny, Sergey G. (1994). The Royal Clan of the Turks and the Problem of Its Origin. Acta Orientalia Academiae Scientiarum Hungaricae, 47(3), 269-281.
  • Robbeets, M. et al. (2021). Triangulation supports agricultural spread of the Transeurasian languages. Nature, 599, 616-621.
  • Qalam Global (2026). DNA, language and the origins of the Turks — Interview with Prof. Peter B. Golden. Video Belgesel ve Metin Arşivi.